Abwarten ist keine Option
Veranstaltung zu Wald und Klimawandel gab wichtige Orientierung

Wie wird sich das Klima in Bayern entwickeln? Was bedeutet das für unseren Wald und was können und müssen Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer tun, um ihren eigenen Wald fit für die Zukunft zu machen?

Das waren die wichtigsten Fragen, die im Rahmen einer Veranstaltung mit Tobias Mette vom der Bayerischen Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft (LWF) und Christian Kölling, Bereichsleiter Forsten am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Fürth-Uffenheim geklärt werden sollten. Mehr als 200 Teilnehmer und Teilnehmerinnen waren Gast der Online-Veranstaltung, die Katja Sander vom AELF Karlstadt organisiert hatte.

Blick in den Wald der Zukunft durch die Zwillingsregionen

Die prognostizierte Temperaturerhöhung von 1,5 Grad ist in Bayern bereits Realität – das verdeutlichte Tobias Mette anhand von Klimadiagrammen. Zwar bleibt die Gesamtmenge der Niederschläge weitgehend konstant, doch ihre Verteilung verändert sich spürbar. Extrem trockene Sommermonate treten immer häufiger auf, wodurch die Pflanzen mitten in ihrer Vegetationsperiode unter Wassermangel leiden. Besonders besorgniserregend ist, dass Trockenjahre zunehmend in Folge auftreten und die steigenden Temperaturen diese Dürre-perioden weiter verschärfen. Viele heimische Waldbäume sind diesen Bedingungen nicht gewachsen – das Fichtensterben ist ein bekanntes Beispiel dafür.

Wie die Landesanstalt versucht, geeignete Zukunftsbäume für die jeweiligen Standorte zu finden, erläuterte Mette anhand eines Beispiels aus dem Landkreis Main-Spessart.

Das Klima, das rund um Ebenroth bei Arnstein nach aktuellen Prognosen im Jahr 2100 vorherrschen wird, findet sich heute unter anderem im Rhonetal in Frankreich. Damit ist der Blick in die derzeitigen Wälder hier ein Blick in den Wald der Zukunft für Ebenroth. Die LFW war daher in den Wäldern des Rhonetals unterwegs, um zu schauen welche Bäume in dieser sogenannten Zwillingsregion wachsen. Diese Beobachtungen helfen, ihr Potential für den Waldumbau in Ebenroth einzuschätzen. Es ist jedoch keine Lösung die Baumarten eins zu eins zu übernehmen. So gibt es etliche weitere Kriterien, die beachtet werden müssen. Verglichen werden auch die Winter- und Sommertemperaturen und die Niederschlagsmengen. Mette wies die Waldbesitzer auf die örtlichen Praxisanbauversuche hin. Auf diesen Flächen werden die neuen Baumarten getestet. Waldbesitzer können hierfür eigene Flächen bereitstellen und Fördergelder erhalten. Bei Interesse empfiehlt sich, zur örtlichen Revierleitung Kontakt aufzunehmen.

„Der Klimawandel ist eine neue Herausforderung“, so Christian Kölling, „wir haben dafür keine Blaupause aus der Geschichte der Forstwirtschaft."

Kölling plädierte dafür, das Problem beherzt anzugehen. „Aussitzen ist keine Option“, unterstrich der promovierte Forstwirtschaftler. Auch er betonte: Die wichtigste Orientierung, um zu wissen, wohin die Reise geht, geben die Zwillingsregionen. Jeder Ort hat seinen Zwilling, doch diesen zu finden, ist nicht leicht, musste Kölling eingestehen. Noch existiert keine frei zugängliche Datenbank, die es ermöglicht, sich hierzu unkompliziert zu informieren. Hilfestellung können die Leiter/innen der örtlichen Forstreviere geben.

Pflanzinseln als Keimzellen für den Waldumbau

Försterin berät Ehepaar im Wald
Wie geht man vor, wenn man weiß, welche Baumarten für das eigene Waldgebiet zukunftstauglich sind? Kölling verwies auf die „bedachte Anreicherung“. In zuvor geschaffenen Freiräumen von etwa 800 Quadratmetern schafft man mit Neuanpflanzungen Zukunftsinseln von 200 Quadratmetern. Die Jungbäume haben hier genügend Licht, keine Wurzelkonkurrenz und können so ungestört heranwachsen. Die unterschiedlichen Lichtverhältnisse in der Gesamtfläche seien optimal für eine vielfältige Mischung. „Für jede Pflanze ist etwas dabei“, so der Referent. So geht die Pflanzung Hand in Hand mit Naturverjüngung, plus extensiver Flächenpflanzung und Freiflächen. Denn, das machte Kölling deutlich, die Größe der Waldflächen macht es unmöglich eine flächendeckende Neubepflanzung vorzunehmen und dies ist auch kein Ziel. Waldplantagen möchte niemand schaffen. Die Pflanzinseln sind die Keimzellen für den Waldumbau, die Naturverjüngung die optimale Ergänzung.

In der Fragerunde zeigte sich, dass viele Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer sich der Problematik des Klimawandels durchaus bewusst sind. Die Veranstaltung, so das Feedback vieler Teilnehmer, war eine wichtige Hilfestellung für den anstehenden Waldumbau. „Wenn sich das Klima bewegt, können die Wälder nicht stillstehen. Bleiben Sie in Bewegung“, gab ihnen Christian Kölling zum Abschluss mit auf den Weg.

Fachliche Unterstützung auf dem Weg zum Zukunftswald bieten die örtlichen Forstreviere. Externer Link